Kurrent, Sütterlin, lateinische Eigennamen und Fraktur-Vordrucke — gelesen, transkribiert und in strukturierte Felder überführt. Für Archive, Standesämter und Verwaltungen, deren wertvollste Bestände bislang nur über Findbücher und Vorwissen erreichbar sind.

Texterkennung, die auf gedruckten Seiten hervorragende Ergebnisse liefert, gibt auf handschriftlichen Registern häufig gar nichts Verwertbares zurück. Das liegt nicht an der Auflösung der Digitalisate, sondern an sechs Eigenschaften des Materials.
Standard-OCR erkennt Zeichenformen der gedruckten Antiqua. Kurrent hat eigene Buchstabenformen, stark abweichende Ober- und Unterlängen und Zeichen, die sich im Schriftbild kaum unterscheiden — e, n, m und u sind in flüssiger Hand nahezu identisch. Aus solchen Seiten entsteht kein fehlerhafter Text, sondern gar keiner.
In vielen Registern stehen Eigennamen in lateinischer Schreibschrift innerhalb eines sonst in Kurrent geführten Eintrags, während der Vordruck in Fraktur gesetzt ist. Verfahren, die pro Seite eine Schriftart annehmen, brechen genau an den Stellen ab, die für die Recherche am wichtigsten sind: bei Namen und Orten.
Bei Formularvordrucken gehören gedruckte Feldbezeichnung und handschriftlicher Wert inhaltlich zusammen. Zeilenweise Texterkennung liefert eine flache Textzeile, in der Bezeichnung und Wert nicht mehr auseinanderzuhalten sind — der Bestand wird dadurch nicht auswertbar, nur voller Text.
Berichtigungen, Verweise und spätere Nachträge stehen am Rand des Eintrags, oft von anderer Hand, kleiner geschrieben oder quer gestellt. Klassische Layoutanalyse verwirft sie als Rauschen oder hängt sie an die nächstbeste Zeile an. Inhaltlich sind sie häufig der entscheidende Teil des Eintrags.
Eine analog aufgenommene Doppelseite enthält oft zwei getrennte Einträge. Ohne technische Trennung liefert jede Suche einen Treffer, der auf beide zeigt — Recherchierende müssen anschließend selbst herausfinden, welcher der beiden gemeint war.
Aus dem Digitalisierungsprozess liegt vielen Beständen bereits eine Textschicht bei, die auf Handschrift praktisch keinen verwertbaren Inhalt trägt. Wir übernehmen sie bewusst nicht, sondern erkennen jede Seite neu. Andernfalls wird die Fehlerquote des ersten Durchgangs für den gesamten Bestand festgeschrieben.
Der schwierige Teil historischer Bestände ist selten eine einzelne Schrift, sondern ihre Kombination auf derselben Seite: ein in Kurrent geführter Eintrag, dessen Eigennamen lateinisch geschrieben sind, in einem Vordruck, der in Fraktur gesetzt ist — ergänzt um einen Randvermerk von späterer Hand. Genau diese Mischung ist der Grund, warum die Seite als Ganzes gelesen werden muss und nicht Zeile für Zeile.
Historische deutsche Schreibschriften werden zeilengenau gelesen und in modernes Deutsch übertragen — mit Bezug zur Stelle im Digitalisat, an der die Lesung entstanden ist.
Der Wechsel zur lateinischen Schrift bei Namen wird als das behandelt, was er ist: eine bewusste Hervorhebung innerhalb des Eintrags — und nicht als Erkennungsfehler.
Gedruckte und maschinengeschriebene Vordrucke in Fraktur werden gelesen und ihren handschriftlich ausgefüllten Werten zugeordnet, statt beides in eine Textzeile zu werfen.
Jeder Bestand hat eigene Hände, Tintenstärken, Vordruckgenerationen und Erhaltungszustände. Genau darauf wird das Modell mit Material aus Ihrem Haus nachtrainiert.
Archive, Standesämter und Verwaltungen halten sehr unterschiedliche Materialien vor — vom streng gerasterten Vordruck bis zum durchgehenden Fließtext. Jeder dieser Bestandstypen stellt eine eigene Anforderung an die Erkennung.
Geburts-, Heirats- und Sterberegister mit festem Eintragsaufbau, fortlaufender Nummerierung und Randspalte für Berichtigungen und Verweise. Der Vordruck gibt die Felder vor, die Hand füllt sie — beides muss zusammen gelesen werden.
Eng gesetzte, mehrspaltige Verzeichnisse mit Namen, Berufsbezeichnungen, Anschriften und Haushaltszugehörigkeiten. Die Kunst liegt hier in der Spaltentreue: Ein Wert in der falschen Spalte ist schlimmer als eine fehlende Lesung.
Genehmigungsvorgänge, Schriftverkehr, Lagepläne und handschriftliche Bearbeitungsvermerke in einer Akte. Aktenzeichen, Beteiligte, Grundstücksbezug und Verfahrensstand werden als eigenständige Felder erfasst.
Spaltenraster mit Flurstücksbezug, Eigentümerangaben, Lasten und Beschränkungen — durchsetzt von Rötungen, Streichungen und späteren Eintragungen, die den aktuellen Stand erst ergeben.
Fortlaufender Fließtext ohne Formularhilfe, mit wechselnden Schreibern über Jahre hinweg, Beschlüssen, Anwesenheitslisten und Unterschriften am Ende jeder Sitzung.
Knappe, stark abgekürzte Einträge auf Vorder- und Rückseite, häufig von mehreren Bearbeitenden über Jahrzehnte fortgeschrieben. Abkürzungen werden erfasst und nicht stillschweigend ausgedeutet.
Ergebnis ist nicht eine Textdatei je Scan, sondern ein erschlossener Bestand: durchsuchbar im Volltext, auswertbar über definierte Felder und in jeder Lesung auf die Stelle im Digitalisat zurückführbar.
Jede Seite wird vollständig transkribiert — nicht nur die Felder, die im Zielschema vorgesehen sind. Daraus entsteht eine Volltextsuche über den Gesamtbestand, die auch das findet, was beim Entwurf des Feldschemas niemand auf dem Zettel hatte.
Für jeden Eintragstyp werden die zu erfassenden Felder definiert und mit Wert geliefert. Felder, die auf einer Seite nicht vorkommen, werden leer zurückgegeben — sie werden nicht aus dem Kontext ergänzt und nicht aus der Nachbarzeile übernommen.
Jedes Feld trägt einen Konfidenzwert zwischen 0,00 und 1,00. Sie legen die Schwelle fest, ab der ein Wert ungeprüft übernommen wird; alles darunter geht gezielt in die Sichtung. Gerade bei Handschrift bleibt damit nachvollziehbar, worauf ein Datensatz beruht.
Handschriftliche Randvermerke und spätere Nachtragsvermerke werden miterfasst und dem zugehörigen Eintrag zugeordnet. Sie enthalten Berichtigungen und Verweise auf andere Register und entscheiden nicht selten darüber, ob ein Eintrag richtig verstanden wird.
Doppelseiten-Scans werden automatisch in Einzelseiten und, wo der Bestand es hergibt, in Einzeleinträge zerlegt. Recherchierende erhalten damit den betreffenden Eintrag als Treffer und nicht eine Doppelseite, auf der er irgendwo steht.
Bereits vorhandene, für Handschrift meist unbrauchbare Alt-OCR aus dem Digitalisierungsprozess wird ignoriert. Grundlage ist immer das Bild, nicht der Text, den ein früherer Durchlauf daraus gemacht hat.
Ein Feld, das im Eintrag nicht ausgefüllt ist, wird leer geliefert. Es wird weder aus dem Zusammenhang ergänzt noch aus der darüber liegenden Zeile übernommen. Für die Erschließung ist eine Lücke unproblematisch — ein erfundener Wert dagegen wandert in den Index, wird recherchiert und lässt sich später kaum noch als Fehler erkennen. Zusammen mit dem Konfidenzwert je Feld bleibt jederzeit sichtbar, was gelesen und was offen geblieben ist.
Wir arbeiten mit den Digitalisaten, die in Archiven üblicherweise entstehen: Farbaufnahmen mit 300 dpi, ausgeliefert als PDF/A. Eine Neuaufnahme des Bestands ist nicht erforderlich, ebenso wenig eine Vorverarbeitung durch Ihr Haus. Entzerrung, Seitentrennung und Bildaufbereitung sind Teil unserer Verarbeitung; das Digitalisat selbst bleibt dabei unverändert erhalten.
Klassische HTR-Engines sind darauf ausgelegt, aus einem Zeilenbild eine Zeichenfolge zu erzeugen — und darin sind sie gut. In Registern wird darüber hinaus etwas anderes gebraucht: die Seite im Zusammenhang zu erfassen. Ein Vision-Sprachmodell liest deshalb nicht nur Zeichen, sondern den Eintrag als Ganzes.
Vordruckraster, Spalten, Randspalte und Eintragsgrenzen werden gemeinsam mit dem Text erfasst. Struktur ist damit Teil der Erkennung und nicht ein nachgelagerter Regelapparat auf flachem Text.
Dass ein im Fließtext genannter Name die anzeigende Person bezeichnet und nicht die verstorbene, ergibt sich aus dem Satzbau des Eintrags — nicht aus dem Buchstabenbild. Genau diese Unterscheidung entscheidet über die Qualität des Index.
Kurrent, lateinische Eigennamen und Fraktur-Vordruck werden in einem Durchlauf gelesen. Es ist kein Umschalten zwischen spezialisierten Engines nötig, das an den Übergängen Fehler erzeugt.
Volltext und strukturierte Felder entstehen im selben Durchlauf aus derselben Bildwahrnehmung. Dadurch bleibt jeder Feldwert auf die Stelle im Digitalisat zurückführbar, aus der er stammt.
Ein Vermerk am Rand wird nicht nur gelesen, sondern in seiner Funktion erfasst: als Berichtigung, Verweis oder späterer Zusatz zu einem bestimmten Eintrag.
Das Modell wird mit Ground Truth aus Ihrem eigenen Material weitertrainiert. Klassische HTR-Engines sind auf Zeilenbilder stark; was Register zusätzlich verlangen, ist Verständnis der Seite — beides zusammen liefert dieses Vorgehen.
Ein Bestand wird nicht dadurch erschlossen, dass ein fertiges Modell über ihn läuft. Zuerst wird das Modell auf das Material und die Schreiberhände Ihres Hauses eingerichtet — erst danach wird in der Fläche verarbeitet, chargenweise und mit nachgewiesener Qualität.
Sichtung des Materials nach Schriftarten, Zeiträumen, Vordruckgenerationen und Erhaltungszustand. Daraus ergibt sich, welche Teilbestände gemeinsam trainiert werden können und wo eigene Modellstände nötig sind.
Referenztranskriptionen entstehen zusammen mit Ihren Fachmitarbeitenden. Wer den Bestand kennt, liest Abkürzungen, Ortsbezeichnungen und Schreiberhände zuverlässiger als jeder externe Dienstleister — diese Kenntnis ist die Grundlage der Qualität.
Eine Web-Oberfläche stellt Digitalisat und Lesung nebeneinander. Unsichere Felder sind markiert, Korrekturen erfolgen direkt am Bild — ohne Umweg über Tabellen und ohne Spezialsoftware auf den Arbeitsplätzen.
Jede Korrektur wird zu neuen Trainingsdaten. Die Erkennungsqualität für Ihre Schreiberhände und Vordrucke verbessert sich also mit dem Bestand, den Ihr Haus bearbeitet — und nicht erst mit dem nächsten Produktrelease.
Die Fachstelle wird darin geschult, Ergebnisse zu prüfen, Schwellenwerte zu setzen und Korrekturen so vorzunehmen, dass sie dem Training tatsächlich nutzen.
Der Gesamtbestand wird in Chargen verarbeitet, die fachlich sinnvoll geschnitten sind — nach Bestandsgruppe, Zeitschnitt oder Vordruckgeneration. Jede Charge ist für sich prüfbar und abnahmefähig.
Je Charge werden Zeichenfehlerrate, Wortfehlerrate und Feldgenauigkeit gegen eine geprüfte Referenzstichprobe ermittelt und dokumentiert — als belastbare Grundlage statt einer pauschalen Genauigkeitsangabe.
Die Abnahme erfolgt je Charge durch Ihre Fachstelle anhand der ausgewiesenen Kennzahlen und einer eigenen Sichtprüfung. Erst danach geht die Charge in den produktiven Bestand über.
Unterschreitet eine Charge die vereinbarte Mindestqualität, wird sie nachbearbeitet und erneut vorgelegt — mit gezieltem Nachtraining auf die Fehlerbilder, die zur Unterschreitung geführt haben.
Anteil der falsch erkannten Zeichen gegenüber der Referenztranskription. Die aussagekräftigste Kennzahl bei Handschrift, weil sie auch Teiltreffer sichtbar macht.
Anteil der fehlerhaften Wörter. Näher an der Rechercheerfahrung: Ein einzelnes falsches Zeichen macht einen Familiennamen in der Volltextsuche unauffindbar.
Anteil der Felder, deren Wert exakt der Referenz entspricht — getrennt je Feldtyp ausgewiesen, weil ein Datumsfeld anders schwierig ist als ein Familienname.
Die Mindestqualität wird vor Beginn der Massenverarbeitung gemeinsam festgelegt — differenziert nach Bestandsgruppe, weil ein sauber geführtes Vordruckregister andere Werte zulässt als ein eng geschriebenes Protokollbuch. Jede Charge wird gegen diese Schwelle gemessen, die Ergebnisse werden dokumentiert und der Fachstelle zur Abnahme vorgelegt. Wird die Schwelle unterschritten, bessern wir nach und legen erneut vor.
Die Erschließung eines Bestands ist eine Investition, die länger halten muss als jeder Softwarevertrag. Deshalb liefern wir ausschließlich in offenen, dokumentierten Standardformaten — jedes mit einem klaren Zweck im Archivalltag.
| Format | Verwendungszweck |
|---|---|
| PDF/A-2b | Langzeitarchivierung: Das Digitalisat bleibt unverändert, darüber liegt eine unsichtbare Volltextschicht. Durchsuchbar und kopierbar, ohne dass das Bild angetastet wird. |
| ALTO-XML | Wortgenaue Koordinaten zu jedem erkannten Token — Grundlage für die Treffer-Hervorhebung in der Volltextsuche und für den Sprung vom Suchergebnis an die Bildstelle. |
| TEI-XML (P5) | Auszeichnung nach TEI P5 für wissenschaftliche Editionen, Forschungsvorhaben und die Nachnutzung durch Hochschulen und Editionsprojekte. |
| IIIF-Manifest | Einbindung in gängige IIIF-Viewer, damit Digitalisat und Volltext im digitalen Lesesaal und in Verbundportalen gemeinsam ausgeliefert werden. |
| CSV / XLSX | Übernahme in Archiv-Informationssysteme sowie in Findmittel, Namens- und Ortsindizes — auch dort, wo keine Spezialsoftware im Einsatz ist. |
| JSON | Alle Feldwerte samt Position und Konfidenz maschinenlesbar — für die API-Anbindung an digitale Lesesäle, Portale und eigene Auswertungen. |
Das ist eine ausdrückliche Zusage und keine Nebenbedingung: Alle Ergebnisse — Volltexte, Wortkoordinaten, Felder samt Konfidenzwerten und Indizes — lassen sich vollständig weiterverwenden, auch wenn German-OCR eines Tages nicht mehr im Einsatz ist. Sie erhalten die Daten in dokumentierten Standardformaten und können sie jederzeit in ein anderes System überführen, ohne den Bestand ein zweites Mal erschließen zu müssen. Eine Abhängigkeit von uns entsteht dadurch nicht.

Historische Register sind kein anonymes Material. Die Verarbeitung ist deshalb so aufgebaut, dass personenbezogene Daten die von Ihnen kontrollierte Umgebung nicht verlassen — technisch, nicht nur vertraglich.
Die Verarbeitung findet ausschließlich auf Servern in Deutschland beziehungsweise der EU statt. Es gibt keinen Verarbeitungsweg über Drittstaaten und keine Abhängigkeit von einem Angemessenheitsbeschluss.
Betrieb wahlweise vollständig bei Ihnen im Haus oder auf dedizierter, ausschließlich Ihnen zugeordneter Hardware bei uns. Ein Mandantenbetrieb auf geteilten Ressourcen ist nicht erforderlich.
Personenbezogene Daten werden zu keinem Zeitpunkt an einen Modellhersteller oder an Server außerhalb der EU übermittelt — auch nicht für Telemetrie und auch nicht zur Verbesserung fremder Modelle.
Auf Wunsch legen wir offen, welche Modelle zum Einsatz kommen: Bezeichnung, Version, Herkunft und Betriebsweise. Für Datenschutzbeauftragte und interne Freigaben ist das dokumentierbar.
Ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO sowie die Beschreibung der technischen und organisatorischen Maßnahmen liegen vor und können den Unterlagen beigefügt werden.
Ohne externe Schnittstellenaufrufe entsteht Datenschutzkonformität aus dem Aufbau des Systems — und nicht aus der Zusicherung eines Anbieters, dessen Verarbeitung Sie nicht einsehen können.
Personenstandsregister enthalten weit mehr als Namen und Daten. In Sterberegistern können etwa Todesursachen vermerkt sein, in Randvermerken Angaben, die Familienverhältnisse berühren — Angaben also, die besonderen Schutz verdienen und für die eine Cloud-Verarbeitung schlicht nicht in Betracht kommt. Aus diesem Grund findet die gesamte Verarbeitung einschließlich Training und Korrektur in Ihrer Umgebung oder auf dedizierter Hardware statt, und aus diesem Grund gibt es keinen Weg, auf dem Inhalte an einen Modellhersteller gelangen könnten.
Zuschnitt, Feldschemata und Betriebsform richten sich nach Ihrem Bestand.
Wir sehen uns Ihre Schriften, Vordrucke und Erhaltungszustände an, zeigen die Erkennung an Probeseiten aus Ihrem eigenen Material und legen Feldschema, Qualitätsschwellen und Betriebsform gemeinsam mit Ihrer Fachstelle und Ihrer IT fest.